Was bisher geschah

Geschichte des EB104

» Es begab sich also zu der Zeit als… « ; )

Leider existiert keine kontinuierliche und komplette Geschichtsschreibung, da den Aktiven stets handeln wichtiger war als ununterbrochene Nabelschau. Einiges wurde vergessen, anderes durch stetiges Weitererzählen mündlich überliefert. Daher gibt es hier einen kleinen, leider unvollständigen Überblick über die Geschichte des „EB 104“.

bis 1972: Die anfänge

Am Anfang steht, wie könnte es anders sein, die Studierendenbewegung der Jahre 1967/68 und deren Auswirkungen. Eine der kurzfristigen Folgen stellte die umfassende Reformierung der Hochschulen dar. Dieses Gesetz beinhaltete nicht nur die grundlegende Demokratisierung der Hochschulen, sondern auch die Auflösung der bisherigen studentischen Selbstverwaltung (AStA und Fachschaften der einzelnen Studiengänge). Die Aufgaben der Fachschaften sollten durch die studentischen Gremienvertreter der Fachbereiche und den ihnen zur Verfügung gestellten Räumen übernommen werden.

Die Fachschaft Schiffstechnik stellte bei ihrer Auflösung Ende 1970 den Raum EB 104 dem künftigen Fachbereich (FB) 12 (Verkehrswesen) für studentische Zwecke zur Verfügung. Genutzt wurde der Raum nicht nur von den studentischen Gremienvertretern des FB Verkehrswesen, sondern auch von dem neugegründeten Verkehrswesenseminar (VWS) und den verschiedensten politischen Gruppierungen des Studiengangs Maschinenbau. Der Raum EB 104 entwickelte sich zum Kommunikationszentrum der damaligen FBe 9 bis 12. Als wichtige politische Nutzer sind uns überliefert:

die "Rote Zelle Verkehr", zu der Gruppe gehörten auch WiMis und Professoren (davon gibt's noch welche an der TU)

die Basisgruppe Maschinenbau

Außerdem gab es noch sogenannte Studienkollektive (Stuko’s), Gruppen, die sich sowohl mit ihrem eigenen Studium, aber auch mit Politik beschäftigten.

1972 – zweiundsiebzich

Im August wird der Raum EB 104 auch TU-offiziell zum studentischen Fachbereichszentrum des FB Verkehrswesen deklariert. Als weiterer Nutzer kommt die studentische Studienberatung des FB 12 hinzu. Für ErstsemesterInnen finden studentisch organisierte Einführungsveranstaltungen statt. Die Rote Zelle Verkehr zerfällt.

1973 – dreiundsiebzich

Die Basisgruppe Maschinenbau ist erstmals schriftlich verewigt. Im Sommersemester 1973 finden – ausgelöst durch Sparmaßnahmen und geplante Verschärfungen der Prüfungsbedingungen von Seiten des Berliner Senats (SPD/FDP) – massive studentische Proteste (Streiks) statt.

1976/77 – so sechsunsiebzich etwa

Im Wintersemester 1976/77 finden, ausgelöst durch Sparmaßnahmen und geplante Eingriffe in die Autonomie der Hochschulen wieder massive Proteste statt. Das Verkehrswesenseminar zieht in eigene Räume. Letzte (schriftliche) Nennung der Basisgruppe Maschinenbau.

Aus der Zeit 1977 bis 1980 gibt es leider kaum schriftliche Hinterlassenschaften.
Schilderungen von Zeitzeugen auf einem sog. Alt-EB-Treffen lassen auf einen völligen Generationswechsel schließen. Die Bewegungen der späten 70er (Hausbesetzer, Sponti’s, Punk’s) fegen die doch eher dogmatischen, sektenartigen politischen Gruppen beiseite. Lediglich die ADS wird, nicht zuletzt aufgrund ihrer Durchorganisation und ihrer Mobilisierungsfähigkeit (echt Kaderpartei!), geduldet. Erst jetzt wird der Raumname EB 104 auch zu einem politischen Markenzeichen: undogmatisch links, pluralistisch und sowohl allgemein- als auch hochschulpolitisch orientiert.

1980 – Der Umzug

Im EB-Gebäude kommt es zu einem Umzugsroulette. Auch das „EB 104“ ist davon betroffen. Die zuletzt als Ersatz angebotenen Räume sind zwar größer, aber auch unwirtlich. Trotz vielfältiger Protestaktionen (Einmauerung des Präsidenten) muß das „EB 104“ umziehen. Der Name zieht mit in die Räume EB 226 um. Um den grossen Raum einigermaßen nutzen zu können, wird eine Hochetage eingebaut. Aus dem „EB 104“ heraus wird das Energieseminar gegründet.

1986 – Streik der Tutor*innen

Der Senat (nun CDU/FDP) versucht die Gehälter der studentischen Hilfskräfte zu kürzen. Der Arbeitskampf der Tutorinnen und Tutoren weitet sich zu einem allgemeinen Studierendenprotest gegen die Bildungspolitik des Senats (restriktives LHG) aus. Der Kampf wird mit einem teilweise günstigeren Tarifabschluß beendet.

1988/88b – Ahh, der „große Streik“

Unerwartet viele ErstsemestlerInnen führen im WiSe 88/89 zu katastrophalen Verhältnissen an den Unis. Neue Sparwünsche des Senats bei den TutorInnen, ein besonders arroganter Senator (Turner), ’ne peinliche Jubelfeier zum 40. Jubiläum der FU sowie Mangel an günstigem Wohnraum lösen spontan und unerwartet die bislang massivsten Proteste in Berlin aus. Von Anfang Dezember bis Ende Januar befinden sich bei vielen phantasievollen Aktionen viele Studis nahezu pausenlos auf der Straße; mitten in einem Wahlkampf. Nach dem Wahltag gibt es einen neuen Senat (SPD/AL)

1989 – Türen gehen und kommen

Das EB erweitert sich um den benachbarten Seminarraum: Zunächst hatte ein Hausmeister vergessen, den Seminarraum abzuschließen. Danach fehlte die Tür… Später tauchte sie zwar wieder auf, versehen mit einem neuen Schließzylinder, zu dem kein Schlüssel der Hausmeister passen wollte. Die Rigipswand, die den Seminarraum vom „EB 104“ trennt, wird schließlich durchsägt und mit einem Durchgang versehen.

1989/90 – Die Mauer fällt

Der realexistierende Sozialismus löst sich auf. Auch die ADS verschwindet unter Hinterlassung von Fahne und Büchern von einem Tag zum anderen (Ein Schelm, wer Böses dabei dächte).

1993 – Fachbereichsfusionen

Nach einer Strukturreform der TU finden sich die „EB-Studiengänge“ in den neuen FBen 6, 10 und 11 wieder.

1993/94 – schonn wieda Streik

Weitere Sparmaßnahmen des Senats (CDU/SPD) bei den Hochschulen, ein arroganter Senator (Erhardt), die vorgesehene Einführung von Zwangsexmat’s und Studiengebühren sowie Eingriffe in die Hochschul-Autonomie führen erneut zu massiven Studi-Protesten. Von Studis aus dem EB-Umfeld wird der Flugsimulator im Institut für Luft- und Raumfahrt besetzt

1994 – auf nach Zamek Czocha

Aus dem „EB 104“ heraus organisieren ex-StreikaktivistInnen die erste Czocha-fahrt für Erst- und Nicht-mehr-erst-SemestlerInnen.

1996 – siehe 1993/94

Streik, Gründe s. o., der arrogante Senator heißt diesmal Radunski.

1997 – Reform der ESE

Die ErstsemsterInneneinführung des „EB 104“ findet jetzt in der ersten Semesterwoche statt. Die „offizielle Begrüßung“ und einige LVen sind integriert.

1997/98 – das übliche (93, 96, …)

mal wieder Streik

1999 – gewagte Konstruktionen

Im ehemaligen Seminarraum ensteht eine zweite Hochetage für Zeichenbretter und „Bibliothek“. Die partybedingte Konstruktion sieht nicht nur gut aus, sie hält auch schwersten Belastungsversuchen stand.

2001 – Fakultäten

Die TUB gliedert ihre Struktur um, die „EB-Studiengänge“ gehören nun zu den Fakultäten III & V.

2003/04 – das übliche (88, 93, 96, 97…)

Am 05. November 2003 treten die Studis der TU Berlin in einen unbefristeten Streik, der formal erst im April 2004 beendet wird. Dieser Streik bewahrte uns in Berlin vor Studiengebühren!

2005 – das vorerst letzte Mal nach Czocha

Nach 12-jähriger Tradition findet die leider vorerst letzte Ersti-Fahrt nach Czocha statt. Erst schnappt uns im angestrebten Zeitraum eine Filmgesellschaft das Schloss unter der Nase weg (2006). Dann geschieht das Unerwartete: Große Teile der Orga-Crew schließen das Studium ab. Die kritische Masse um die Organisation zu bewältigen fehlt.

2005/06 – Renovieren

Der Raum 226a bekommt ein neues Gesicht. In zwei zeitlich weit auseinander liegenden Aktionen (Wände/Decke und Pfeiler) wird der große Tanz-, Zeichen-, Raucher-, Arbeits- und Chill-Raum neu gestrichen. Das ganze dauert so lange, da hier einige historische und als erhaltungswürdig angesehene Bilder die Wände zieren.

2006-2008

StuPa & AStA werden ausnahmsweise von der konservativen Studi-Fraktion (RCDS) dominiert. Die studentische Selbstverwaltung wird von ihnen bewußt herabgewirtschaftet. Die Studierendenschaft verliert in dieser Zeit neben einer wirtschaftlich arbeitenden, eigenen Druckerei und einem breiten, kostenfreien Beratungsangebot auch seine aktive, kräftige Stimme gegenüber der Außenwelt und der TU-Verwaltung. Das „EB 104“, als eine der Oppositions-Gruppierungen, ist „Büro des Gegen-AStA“ und somit Hauptquartier des Widerstands. Trotz seiner Abwahl im Juni 2007 hielt sich der RCDS illegitim mittels Klagen und mutwilligen Verzögerungen bis Anfang Mai 2008 im Amt.

2007 – Oste(r)n renovieren

Schon wieder renovieren – in Farbe und buuunt! Diesmal ist zu Ostern der Raum im Osten dran. Richtig, der Raum 226c, der große Arbeits-, Lern-, Chill-, Koch- und Plenums-Raum.

2010

WIR wählen uns einen neuen TU-Präsidenten. Er ist zwar nur das kleinere Übel, dafür kommt er aber auch schonmal auf ein Sterni und ein Schwätzchen im EB104 vorbei oder ruft einige von uns privat an, um sich „auszuheulen“. Wenn Ihr also bei ganz großen Problemen mal nen Draht nach ganz oben braucht…

2011 – reno -zu- viert

Allet neu! Nachdem sich einige von uns nach dem Streichen vom A- und C- Raum sicher waren, den „kleinen“ Raum in der Mitte der nächsten „Studi-Generation“ überlassen zu können, raffte man sich dennoch auf, auch hier alles neu zu machen. Dieses Mal kam jedoch nicht nur knallgrüne Farbe an die Wände, sondern auch fast durchweg neue Möbel und eine massive Regalkonstruktion. Die läppischen 4,80m Deckenhöhe sind gerade ausreichend für die Hälfte(!) unseres Archivs (und eine bescheidene Auswahl an Zeitschriften für Eure Pausen-Lektüre sowie eine Flyer-Auslage). Nun erstrahlt auch der Studienberatungs-, Büro- und Lese-Raum in neuem Glanz.

2012 – Vierzig Jahre EB104

Das EB104 feiert seinen vierzigsten. Es ist so alt wie Eure Eltern und immer noch knackfrisch und voll dabei.

2020 – 2021 Eine kleine Pandemie

Die Coronapandemie 2020-2022 veränderte alles, für ca. 2 Jahre sind ganz neue Regelungen an den Universitäten zu finden, online Kurse, virtuelle Prüfungen und geschlossene Cafes und ebenso ein geschlossenens EB104. Trotz der ruhigen Zeit beginnt im EB104 eine neue Zeitrechnung nach der Pandemie und die Geschichte wird weiter geschrieben.

2022 – neuer Wind im Präsidium

Im Januar 2022 wird an der TU ein neues Präsidium gewählt, erfolgreich ist diesmal Geraldine Rauch, die erste Präsidentin der TU Berlin.

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